antenne
Aktuelles Thema Juni 08:


Krebs-Risiko unterschätzt?
Berlin - Mit großer Medienbeteiligung hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) präsentiert.
In den großen Illustrierten war der Tenor der "Entwarnung" nicht zu übersehen. So Stern-Online mit "Handy-Strahlung löst keinen Krebs aus. Handynutzer können aufatmen: Mobiltelefonieren macht nicht krank". Auch Spiegel-Online brachte die Schlagzeile "Krebsstudie gibt Entwarnung für Handy-Nutzer". Lediglich die Berliner TAZ sieht die Angelegenheit deutlich kritischer: "Handy-Strahlung bleibt umstritten. Wissenschaftler sehen keinen Zusammenhang zwischen elektromagnetischer Strahlung und Krebs. Entwarnung wollen sie aber trotzdem nicht geben."
Was ist nun wirklich von den Ergebnissen zu halten? Bei genauer Betrachtung der Ergebnisse dürfen einige wichtige Punkte nicht übersehen werden: Berichtet wird immer nur, dass sich in den durchgeführten Studien keine gesicherten Hinweise auf Gesundheitsrisiken durch Mobilfunkstrahlung fanden. Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass dadurch die Harmlosigkeit von Mobilfunkstrahlung bewiesen ist. Dazu mag ein kleines Beispiel dienen: Wenn man im frühen Mittelalter mangels geeigneter Untersuchungsmethoden den Beweis noch nicht erbringen konnte, dass die Erde sich um die Sonne dreht, dann darf man daraus nicht schließen, dass die Erde sich nicht um die Sonne drehen würde.
Wie verhält es sich nun bei den Risiken des Mobilfunks? Die Studien sagen aus, dass bis zu einer Dauer von 10 Jahren keine Hinweise auf Krebserkrankungen zu finden waren. Längere Zeiträume wurden im DMF nicht untersucht. Somit wurde einschränkend auch von Gabriel festgestellt, dass diese Feststellung nicht für Nutzungsdauern über 10 Jahren gelte. Dies ist aber gerade die entscheidende Fragestellung: Krebserkrankungen sind nach weniger als 10 Jahren Schädigungsdauer eigentlich nicht zu erwarten, weder bei der Röntgenstrahlung noch beim Zigarettenrauchen. Beim Asbest, einem allgemein anerkannten Krebsauslöser, dauert es durchschnittlich 20 bis 30 Jahre, bis eine Krebserkrankung auftritt. Bei einer Schädigungsdauer von weniger als 10 Jahren wurde z.B. noch nie eine Krebserkrankung durch Asbest beobachtet. Dass für die Mobilfunkstrahlung ähnliche Regeln gelten, lässt sich insbesondere aus den veröffentlichten Teilstudien der von der WHO koordinierten INTERPHONE-Studie schließen, welche die Häufigkeit von Hirntumoren im Zusammenhang mit Handy-Nutzung untersucht. Bis zur Dauer von 10 Jahren fanden sich keine Auffälligkeiten, ab 10 Jahren Nutzungsdauer dann entweder Trends oder sogar statistisch bedeutsame Erhöhungen des Hirntumorrisikos. Experten sehen viele ungeklärte Fragen bei der Langzeitwirkung von Handys und bei Kindern. "Wir wissen es einfach nicht", sagt Fachbereichsleiter Wolfgang Weiss vom Bundesamt für Strahlenschutz hierzu. Es gibt bisher nur Vermutungen, dass Kinder auf die Strahlung anders reagieren. "Gebt Kleinkindern kein Handy!", sagt Gabriel vorsichtshalber.
Lesen Sie dazu auch die Presseerklärung zum DMF und die anderen Veröffentlichungen zum Thema EMF der mobilfunkkritischen, bundesweit agierenden "Kompetenzinitiative"



"Aktuelle Themen" der Vormonate:

Mai 2008
April 2008
Februar 2008
Dezember 2007
November 2007 (2. Hälfte)
November 2007 (1. Hälfte)
Oktober 2007
September 2007 (2. Hälfte)
September 2007 (1. Hälfte)
August 2007
Juli 2007
Mai 2007